Ein Plattformwechsel gehört zu den riskantesten Momenten im Leben eines Online-Shops. Wir haben Shops gesehen, die am Tag nach dem Launch einen Großteil ihres organischen Traffics verloren haben – nicht, weil die neue Plattform schlechter war, sondern weil niemand die Weiterleitungen geplant hatte. Die alten URLs lieferten 404-Fehler, die Rankings verschwanden, und die Erholung dauerte Monate.
Die gute Nachricht: Mit sauberer Planung lässt sich eine Migration ohne bleibenden Schaden durchführen. Gewisse Schwankungen in den ersten Wochen sind normal. Ein dauerhafter Einbruch ist es nicht.
Phase 1: Bevor Sie irgendetwas anfassen
Alles erfassen
Sie brauchen eine vollständige Liste aller URLs der alten Website. Quellen dafür:
- Ein Crawl der aktuellen Website (Screaming Frog oder ein vergleichbares Tool).
- Die XML-Sitemaps der alten Plattform.
- Search Console: Seiten mit Impressionen in den letzten 12–16 Monaten.
- Analytics: Landingpages mit Traffic.
- Backlinks: Seiten mit externen Links (aus der Search Console oder einem Backlink-Tool).
Führen Sie alles in einer Tabelle zusammen. Manche URLs tauchen nur in einer einzigen Quelle auf – oft ältere Seiten mit Backlinks, die nicht mehr in der Navigation verlinkt sind.
Einen Ausgangswert festhalten
Sichern Sie die aktuellen Zahlen: organische Klicks pro Seite, Rankings für die wichtigsten Suchbegriffe, Umsatz aus organischem Traffic und die Anzahl indexierter Seiten. Ohne diese Werte wissen Sie später nicht, ob etwas schiefgelaufen ist.
Den richtigen Zeitpunkt wählen
Gehen Sie nicht eine Woche vor dem Black Friday oder zu Beginn Ihrer Hauptsaison live. Wählen Sie die ruhigste Zeit des Jahres und einen Wochentag – nicht den Freitagnachmittag.
Phase 2: URLs und Weiterleitungen planen
URLs nach Möglichkeit beibehalten
Die beste Weiterleitung ist die, die Sie gar nicht brauchen. Wenn die neue Plattform es zulässt, behalten Sie dieselbe URL-Struktur bei. Bei WooCommerce und individuellen Lösungen ist das einfacher. Bei Shopify ist die Struktur fest vorgegeben (/products/, /collections/), dort kommen Sie um Weiterleitungen fast nie herum.
Die Weiterleitungs-Map
Jede alte URL bekommt eine neue URL. Die Regeln:
- 301 (dauerhaft), nicht 302.
- Eins zu eins: altes Produkt auf neues Produkt, alte Kategorie auf neue Kategorie. Nicht alles auf die Startseite.
- Keine Ketten: alt → neu direkt, nicht alt → Zwischenstation → neu. Berücksichtigen Sie dabei auch Weiterleitungen, die auf der alten Seite bereits existierten.
- Parameter: Sahen die alten URLs etwa so aus:
?id=123, muss die neue Plattform anhand des Parameters weiterleiten können. - Bilder und PDFs: Wenn Ihre Bilder Traffic über die Google-Bildersuche erhalten, gehören auch sie in die Map.
Bei Shops mit Tausenden von Produkten erstellen Sie die Map am besten über die Artikelnummern (SKUs): Die SKU ist meist die einzige stabile Kennung zwischen alter und neuer Plattform.
Phase 3: Die neue Website auf der Staging-Umgebung
Vor dem Launch, auf der Staging-Umgebung (die passwortgeschützt oder auf noindex gesetzt sein sollte):
- [ ] Titles, Meta-Descriptions und H1-Überschriften übernommen – nicht nur die Produkte
- [ ] Produkt- und Kategorietexte vollständig übernommen (oder verbessert)
- [ ] Canonicals korrekt und nicht auf die Staging-Domain verweisend
- [ ] Product-Schema funktioniert (Test für Rich-Suchergebnisse)
- [ ] Breadcrumbs und interne Links vorhanden
- [ ] Kundenbewertungen übernommen
- [ ] hreflang, falls Sie mehrere Sprachen betreiben
- [ ] Ladezeit und Core Web Vitals mindestens so gut wie vorher
- [ ] XML-Feeds (Skroutz, BestPrice, Google Merchant Center) werden korrekt erzeugt, möglichst mit denselben Produkt-IDs
Der letzte Punkt wird oft vergessen. Skroutz und BestPrice sind die beiden großen Preisvergleichsportale in Griechenland. Ändern sich die Produkt-IDs in Ihrem Skroutz-Feed, können Ihre Produkte die Zuordnung zu bestehenden Listings verlieren. Sprechen Sie vor dem Launch mit der Plattform.
Phase 4: Der Launch-Tag
- Schalten Sie die Weiterleitungen im selben Moment wie die neue Website live.
- Entfernen Sie noindex und Passwortschutz der Staging-Umgebung. (Das ist der häufigste und folgenschwerste Fehler.)
- Prüfen Sie die robots.txt: Wird etwas Wichtiges blockiert?
- Lassen Sie die vollständige Liste der alten URLs durch einen Crawler laufen: Jede sollte per 301 auf eine Seite weiterleiten, die den Status 200 liefert.
- Reichen Sie die neue Sitemap in der Search Console ein.
- Aktualisieren Sie die Feed-URLs bei Skroutz, BestPrice und im Merchant Center.
- Prüfen Sie Analytics, Pixel und Conversion-Tracking: Werden Käufe erfasst?
- Geben Sie eine echte Bestellung auf – einmal per Karte und einmal per Nachnahme.
Phase 5: Die ersten Wochen
- Täglich in der ersten Woche: Search Console auf 404-Fehler und andere Fehler prüfen, Analytics auf Einbrüche bei Traffic oder Umsatz nach Kanal.
- Wöchentlich über zwei bis drei Monate: Rankings und Klicks mit Ihrem Ausgangswert vergleichen.
- Lassen Sie die alte Sitemap noch eine Weile eingereicht, damit Google die alten URLs erneut crawlt und die Weiterleitungen erkennt.
- Bei wichtigen Backlinks bitten Sie die verlinkenden Websites, den Link zu aktualisieren. Nicht zwingend, aber hilfreich.
- Entfernen Sie die Weiterleitungen nicht. Behalten Sie sie so lange wie möglich, idealerweise dauerhaft.
Typische Fehler
- Das noindex der Staging-Umgebung bleibt auf der Live-Seite aktiv.
- Alle alten URLs werden auf die Startseite weitergeleitet.
- Domain, Plattform und Design werden gleichzeitig geändert. Je weniger Änderungen auf einmal, desto leichter finden Sie die Ursache eines Problems.
- Inhalte werden nebenbei „vereinfacht“: Kategorietexte nicht übernommen, FAQs weggelassen.
- Produkt-IDs in den Feeds geändert, ohne sich mit den Preisvergleichsportalen abzustimmen.
Abschließende Checkliste
- [ ] Vollständige Liste der alten URLs aus Crawl, Sitemaps, Search Console, Analytics und Backlinks
- [ ] Ausgangswerte für Traffic, Rankings und Umsatz
- [ ] 1:1-Weiterleitungs-Map, 301-Weiterleitungen, keine Ketten
- [ ] SEO-Elemente und Feeds auf der Staging-Umgebung geprüft
- [ ] Launch in einer ruhigen Phase
- [ ] noindex entfernt, robots.txt geprüft, neue Sitemap eingereicht
- [ ] Jede alte URL nach dem Launch getestet
- [ ] Monitoring über mindestens zwei bis drei Monate
Bei einer Migration lohnt sich Sorgfalt mehr als Tempo. Wenn Sie einen Plattformwechsel planen, übernehmen wir alles – vom neuen Shop über die Weiterleitungs-Map bis zum Monitoring nach dem Launch. Erzählen Sie uns, wo Sie stehen und was Sie vorhaben.